Jeder Gedanke ein Satz.




Dieser Merksatz hilft, wenn Sätze zu lang und zu verschachtelt geraten sind. Dann ist der erste Schritt, für jeden Gedanken einen Satz zu formulieren.


Beispiel 1:

In der seit 2004 von ihrem Präsidenten Professor L. geleiteten Einrichtung unterrichten in den insgesamt drei Studiendekanaten international renommierte Künstler, Wissenschaftler und Pädagogen, die den ca. 750 Studierenden ein Höchstmaß an Ausbildungsniveau garantieren.


Da stecken eine ganze Reihe Gedanken drin:

Seit 2004 leitet Professor L. die Einrichtung. Sie ist aufgeteilt in drei Studiendekanate. Dort unterrichten international renommierte Künstler, Wissenschaftler und Pädagogen. Sie garant


ieren den 750 Studierenden eine Ausbildung auf höchstem Niveau.

Schön ist das nicht. Das liegt eher am Inhalt. Immerhin folgt ein Satz auf den anderen – „alles schön der Reihe nach“, wie es die Verständlichkeitsforscher Langer, Schulz von Thun und Tausch fordern. Ein sinnvoller erster Schritt, um Satzmonster zu bändigen.


Beispiel 2:

Alle Bürgerinnen und Bürger, die das 16. Lebensjahr vollendet haben, werden seit dem 1. November 2012 in regelmäßigen Abständen auf verschiedenen Wegen, beispielsweise durch ihre Krankenkasse oder bei der Beantragung eines neuen Personalausweises, über das Thema Organspende informiert und aufgefordert, ihre Entscheidung möglichst in einem Organspendeausweis zu dokumentieren.


Viel zu viele Informationen in einem Satz. Also der Reihe nach:

Alle Bürgerinnen und Bürger, die älter als 16 Jahre sind, werden ab 1. November 2012 regelmäßig über das Thema Organspende informiert. Sie sollen sich entscheiden, ob sie ein Organ spenden wollen. Diese Entscheidung sollen sie in einem Organspendeausweis dokumentieren. Die Information über Organspenden kann auf verschiedenen Wegen kommen. So informieren zum Beispiel die Krankenkassen oder die Behörden. Anlass kann sein, dass ein neuer Personalausweis beantragt wird.


Auch nicht schön, aber ein notwendiger Schritt, um den Inhalt zu klären. Der neue Text könnte dann so aussehen: Organspende ja oder nein? Alle, die älter als 16 sind, werden ab 1. November 2012 regelmäßig aufgefordert, sich zu entscheiden. So bitten zum Beispiel Krankenkassen ihre Mitglieder, einen Organspendeausweis auszufüllen und bei sich zu tragen. Oder Ämter weisen auf Organspenden hin, etwa, wenn eine Person einen neuen Personalausweis beantragt.


Wer zu lange Sätze schreibt, erspart sich Denkschritte – und mutet sie den Leserinnen und Lesern zu. E.A. Rauter sagt dazu: „Um kurze Sätze schreiben zu können, muß man erst gearbeitet haben. In langen Sätzen bleibt die Unwissenheit des Autors leichter verborgen – ihm selbst und dem Leser.“